§ 15. Die sokratische Ethik.

 


Questo Socrate che non scrive, che provoca e destabilizza6, che si lascia guidare dal logos Resp.

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Somit beugte er sich dem Gesetz und vertrat bis zu seinen letzten Minuten seine Philosophie. Der Kern seiner Erkenntnislehre bildete die Frage nach dem Guten und der Tugend, die zur Glückseligkeit führen sollen.

Das griechische Verständnis der Tugend besagt, dass eine Sache nur dann tauglich ist, wenn man sie nicht zweckentfremdet, sondern sie ihrem Wesen nach richtig nutzt. Sie sei enthalten in der Seele des Menschen. Durch die von Sokrates selbst entwickelte Methode des elenktischen Verfahrens , werden diese zum Vorschein gebracht: Im Gegensatz zu den Sophisten versuchte Sokrates nicht, die Leute durch Überreden zu beeinflussen, sondern dass sie aus eigener Überzeugung zur richtigen Erkenntnis kamen.

Sokrates vertrat die Auffassung, dass die Leute, die erkannt haben, was richtig oder falsch ist, auch richtig handeln würden. Die Bandbreite dieser Konzeptionen knnte man etwa dadurch beschreiben, dass man sie in einem Spektrum ansiedelt, das angibt, welche Legitimittsanforderungen fr politische Entscheidungen die deliberati ven Konzeptionen formulieren.

Die Theorien reichen dann von schwachen Legitimitt sanforderungen im Sinne eines Es ist gut, dass wir miteinander reden etwa als sozia le Inklusion oder wegen des epistemischen Wertes von Deliberationen bis zu starken Theorien, in denen die Legitimitt getroffener politischer Entscheidung davon abhngt, ob diese Entscheidungen Resultat einer ffentlichen Deliberation gewesen sind.

Gundersen an eine im oben genannten Sinne schwache deliberative Demokra tiekonzeption gekoppelt: Gundersen sieht in Sokrates die Verkrperung der dyadischen Idealstruktur demokratischer Deliberation. Demgegenber haben andere Interpretationen deutlich strkere deliberative Konzeptionen im Visier Villa oder versuchen gar, deliberative Theorien weiter anzuschrfen Audard In unserem Zusammenhang besonders interessant drfte Dana Villas Interpretation sein.

Fr Villa verkrpert Sokrates eine Brgerschaft, die auf der Grundlage eines skularen Gewis sens in miger Distanz zu den herrschenden Krften der Zeit verbleibe und gegen die kontextgebundenen, partikularistischen Normen der eigenen Gesellschaft die heilsame Auflsungskraft des Nichtwissens und der skeptischen Kritik setze.

Villa sieht in Sokrates den Idealfall einer gewissensvollen, mig entfremdeten Brgerschaft conscientious, moderately alientated citizenship. Eine sehr einflussreiche, wenn auch im Sinne des obigen Spektrums nicht allzu starke Variante der deliberativen Demokratie bietet Habermas Eine inte ressante Kritik an deliberativen Demokratiekonzeptionen lsst sich etwa aus Tucker destillieren: Tucker weist auf die empirisch feststellbaren oligarchischen Tendenzen in deliberativen demokratischen Prozessen.

Sie alle wrdigen einen skeptischen Sokrates, einen Sokrates, der in einem Spektrum dogmatisch skeptisch deutlich von der dogmatischen Seite weggehalten wird wobei im Einzelnen umstritten bleibt, wie stark er der skeptischen Seite anzunhern ist.

Mir scheint gerade dies eine Einschtzung zu sein, die den Blick fr das eigentmli che Profil von Sokrates politischer Haltung verstellt. Ich werde zeigen, dass der Sokrates, der uns in Platons frhen Dialogen entgegentritt, deutlich dogmatischer ist, als vielfach angenommen wird.

Schon in der Apologie schreibt Platon Sokrates berzeugungen zu, die wir im Rckblick als protostoisch bezeichnen knnten ich nenne hier nur die Gleichgltigkeit auermoralischer Gter und die Annahme, dass die Tugend notwen dig und hinreichend fr die Eudmonie ist.

Sokrates lsst nicht nur keinen Zweifel an diesen berzeugungen, die wie wir sehen werden seine Haltung zur Politik seiner Zeit bestimmen, er fgt auch seine philosophische Berufung fraglos in den religisen Kontext seiner Zeit ein und veranschlagt die Dignitt dieser religis interpretierten Beru fung ganz zweifelsfrei hher als Forderungen, sich auf politische Normen und gesell schaftliche Usancen einzulassen.

Diese Haltung knnte, wenn wir sie im Koordinaten gefge heutiger deliberativer Demokratiekonzepte beschreiben, leicht als unpolitisch oder gar antipolitisch erscheinen; aber ich will im Folgenden zeigen, dass eine solche Einschtzung unangemessen wre.

Um dies zu zeigen, werde ich zunchst das relevante Textmaterial aus drei relativ frhen platonischen Dialogen analysieren, nmlich aus der Apologie, dem Gorgias und dem Kriton.

Ich will vor allem versuchen, diese Texte in ihrem literarischen und histori schen Kontext zu interpretieren. Bekanntlich wurde Sokrates offiziell angeklagt wegen naturphilosophischer und sophistischer Aktivitten. Mit dieser Ankla ge wurde suggeriert, dass Sokrates Wirken eine Gefahr fr die religisen und gesellscha ftlichen Fundamente der athenischen Demokratie darstellten. Gregory Vlastos hat argu mentiert, dass diese Anklage motiviert gewesen sein muss durch die Aggressivitt von Sokrates ffentlicher dialektischer Ttigkeit vgl.

In einer ande ren Publikation bietet Vlastos eine weitere Erklrung fr die negative Einstellung groer Teile der Bevlkerung gegenber Sokrates, die ein wichtiger Faktor in seiner Verurtei lung gewesen sein muss: Sokrates wurde weithin wahrgenommen als Volkshasser. Er hatte Umgang mit Kritias, einem der Dreiig Tyrannen. Und auch der antidemokratische Alkibiades zhlte zu den Menschen, mit denen Sokrates regelmig Umgang hatte. In der antioligarchischen Stimmung nach dem Fall der Dreiig TyrannenSokrates und die deliberative Demokratie35konnten solche Freunde nicht als Empfehlung gelten.

Nun war aber im Jahr v. Dass diese Interpretation viel fr sich hat, zeigt sich schon an den geradezu verzweifelten Bemhungen Xenophons in seinen Memorabilia, das Bild des Sokrates als eines Volksfeindes zu entkrften und dagegen das Bild eines philosophisch weitgehend harmlosen, aber volksfreundlichen Sokrates zu setzen. Auf Vlastos Argumentation komme ich im Folgenden zurck.

Bleiben wir vorerst noch bei der Apologie und sehen wir uns dieVerteidigung des Sokrates an. Sokrates erklrt, dass der Hass, der ihm entgegen schlage, auf seiner fragenden, das Nichtwissen seiner Gesprchspartner enthllenden Ttigkeit beruhe. Er erlutert, dass seine prfende Ttigkeit ihren Ursprung habe in einer Frage, die sein Freund Chairephon an das Delphische Orakel gerichtet habe.

Ob irgend jemand weiser sei als Sokrates? Die Antwort ist verneinend. Er geht ganz selbstverstndlich von der Wahrheit des Orakels aus Apol.

Er prft also diejenigen, die traditionell und auch von ihm selbst als weise oder kompetent angesehen werden: Staatsmnner, Dichter und Fachleute aller Art. Das Ergebnis enthllt das Nichtwissen seiner Gesprch spartner. Sie meinen blo, Wissende zu sein, aber sie sind es nicht. Sokrates, der nicht an dieser Selbstberschtzung leidet, der davon berzeugt ist, nicht zu wissen, ist also gerade darum weiser als seine Gesprchspartner 21 c 22 e.

Interessant ist nun, dass Sokrates seine Ttigkeit die ja die Folge eines Orakel spruchs einerseits und seiner Interpretation dieses Spruches andererseits ist als einen gttlichen Auftrag begreift, als eine Ehrung Gottes, die er hher stellt als die juristisch politischen Urteile und Satzungen Athens. Auch wenn man ihm anbieten wrde, ihn auf Bewhrung freizulassen, unter der Bedingung, dass er seine prfende Ttigkeit einstelle, wrde er diesen Freispruch nicht annehmen knnen 29 c 30 a.

Er stellt also seine religis motivierte Pflicht ber den Volkswillen. Er stellt seine Pflicht auch ber andere Erwartungen, die aus sozialen und familiren Kontexten an ihn herangetragen werden: Er habe sich nicht gekmmert um das, was der Masse wichtig sei Geld verdienen, die Rolle als pater familias, militrische Dinge, Volksreden und die anderen mter und die Zusammenschwrungen und Spaltungen, die die Stadt erschttert htten kurzum, er habe sich auf nichts von dem eingelassen, womit er weder seinen Mitbrgern noch4 5Arist.

Sokrates hat sich also nicht in einer traditionell verstandenen politischen Rolle bettigt. Und in der Tat, wenn man ein Bild politischer Aktivitt zugrunde legt, wie es Thukydides in seiner Komposition der Grabrede des Perikles formuliert, fllt auf, wie weit Sokrates von dem dort formulierten Erwartungshorizont abweicht. Die Teilnahme an ffentlichen politischen Deliberationen sei ein Kernelement des verfassungspatrioti schen Ethos der Athener: Darum sei in Athenein jeder nicht blo an den eigenen Angelegenheiten interessiert, sondern auch an der Poli tik Ein Mann, der kein Interesse an der Politik hat, ist nicht etwa ein Mann, der sich mit seinen eigenen Sachen beschftigt.

Sokrates behauptet, dass es sein Daimonion, eine innere gttliche Stimme gewe sen sei, die ihn davon abgehalten habe, sich in die Politik einzumischen Apol. In diesem Kontext steht die bereits zitierte Bemerkung, er, Sokrates sei niemals vor die Menge hingetreten, um der Stadt einen Rat zu erteilen 31 c. Sokrates erklrt den Sinn des dmonischen Widerstands gewissermaen konsequentialistisch: Wenn ich politisch aktiv gewesen wre, dann wre ich schon lngst umgekommen und wre weder euch noch mir selbst ntzlich gewesen.

Bemerkenswert ist, dass Sokrates wiederum seine religise Verpflichtung gegen ein Politikverstndnis setzt, wie wir es in Perikles Grabrede finden und von dem wir unterstellen knnen, dass es, auch wenn es eine idealtypische berh hung war, an ein breit getragenes Selbstverstndnis der Athener Bevlkerung anschloss. Gemessen an diesem Ideal politischer Partizipation bleibt Sokrates politisch unpro duktiv. Sokrates hat zwar bekanntlich passiven Widerstand geleistet gegen zwei in seinen Augen ungerechte Beschlsse, den einen von demokratischer, den anderen von oligar chischer Seite Apol.

Aber diese Verweigerung ist keine aktive Einmischung, wie sie fr den Perikles der Grabrede selbstverstndlich gewesen wre. Vielleicht drfen wir die Position, die Thukydides in der Grabrede des Perikles artikuliert, als den Hinter grund ansehen, vor dem Platon seinen Sokrates positioniert.

Eine ausfhrliche, beson ders gelungene Diskussion bietet Villa Sokrates und die deliberative Demokratie37gie wrde dann gewissermaen einen Gegenentwurf verkrpern zu dem Demokratie und Partizpiationsmodell, das wir in der Grabrede finden. Diese Vermutung lsst sich erhrten, wenn wir uns den Dialog Gorgias anschau en. Recht schnell tut Sokrates die Rhetorik als eine der Kochkunst verwandte Schmeichelbemhung ab, die nur ein Schattenbild eines Teiles der Politik sei.

In zwei weitausgreifenden Gesprchen werden dann mit zwei anderen Diskussionspartnern, Polos und Kallikles, Prinzipien der wahren politischen Kunst herausgearbeitet. Ich konzentriere mich hier auf ein relativ kurzes Stck aus der Diskus sion zwischen Sokrates und Kallikles. Kallikles, ein mglicherweise fiktiver Charak ter, der von Platon als Prototyp eines populistischen Politikers gezeichnet wird, wirft Sokrates vor, mit seiner philosophischen Ttigkeit sein Leben zu verschwenden.

Sokrates hocke mit drei oder vier Knaben flsternd in einer Ecke, statt mit ffentlicher politi scher Rhetorik gro herauszukommen Gorg. Als Paradigmen einer gelunge nen politischen Aktivitt nennt Kallikles vier berhmte Staatsmnner und Generle der jngeren athenischen Geschichte, die zum demokratischen historischen Kanon gehrt haben drften. Neben Themistokles, Kimon8 und Miltiades nennt er Perikles. Ein guter Staatsmann ist derjenige, der nachweislich die Menschen zumindest einen einzigen, egal ob Fremder oder Einheimischer, Sklave oder Freier besser gemacht habe, d.

Sokrates kann es nicht lassen, Kallikles einzureiben, dass er, Kallikles, selber solche Taten nicht vorweisen knne. Danach arbei tet Sokrates die Liste von Kallikles kanonischen Staatsmnnern ab.

Es komme nicht auf das Bauen von Schiffen, Mauern und Werften an; das eigentliche Geschft des Politikers sei vielmehr wie gesagt die Brger besser zu machen. Gemessen an diesem Kriteri um fallen alle vier paradigmatischen Staatsmnner des Kallikles durch. Bemerkenswert ist nun, dass Sokrates, entgegen der Reihenfolge, in der Kallikles die vier Staatsmnner auffhrt, zuerst und am allerlngsten Perikles diskutiert und schlie lich verwirft. Das kann kein Zufall sein.

Platons Sokrates bt mit dem Beiseiteschieben des Perikles Kritik an dem athenischen Demokratiemodell und formuliert vor diesem Hintergrund eine alternative Konzeption. Wie schon in der Apologie wird ein Nutzen kriterium nach vorne geschoben.

Der Nutzen fr anweisbare Einzelne ist das Kriteri um, an dem sich politisches Handeln messen lassen muss. Genau wie in der Apologie gelten ihm allerdings auermoralische Gter nicht als wirklich wichtig. Wahrer Nutzen bemisst sich daher nicht an Erfolgen im Bereich auermoralischer Gter, wie gelun genen Bauprogrammen, sondern an dem erreichten ethischen Niveau der Bevlkerung. Im Gorgias identifiziert Sokrates das Nachstreben eines so verstandenen Nutzens mit dem, was er die wahre politische Kunst und Praxis nennt; er, Sokrates, sei einer der8 9Bei gewissen Spartasympathien gewiss kein Gegner der Demokratie vgl.

Das bringt mich zu der Frage, wie Sokrates es wohl mit der Athener Demokratie gehalten hat. Ich hatte ja bereits ein Argument von Gregory Vlastos Dieses Argument sttzt sich auf eine Passage im Kriton. Dieser Dialog, der hchstwahrscheinlich frher als der Gorgias geschrieben wurde, prsentiert uns eine Szene zwei Tage vor der Hinrichtung des Sokrates.

Kriton, ein Freund des Sokrates, besucht diesen im Gefngnis und will ihn berreden, aus Athen zu fliehen. Alles ist vorbereitet, Sokrates muss nur aufstehen und mitkommen. Sokrates weigert sich, auf das Angebot einzugehen. Fr ihn unterliegt es keinem Zweifel, dass seine Flucht unrechtmig wre und dass sie die Gesetze Athens und damit Athen selbst, seine Stadt, destabilisieren wrde. Den Hhepunkt von Sokra tes Antwort bildet eine Passage am Ende des Dialogs, in der Sokrates die Gesetze als fingierte Personen auftreten lsst, die durch seine eventuelle Flucht geschdigt wrden, und in der er diese personifizierten Gesetze Kriton und sich selbst als Dialogpartner gegenberstellt 50 a 54 d.

Die Gesetze betonen, dass sie, die Sokrates Geborenwerden und Aufwachsen in Athen rechtlich Form gegeben haben, gewissermaen eine vterliche Autoritt ber ihn ausben. Wie bei einem Vater gebe es nur zwei adquate Reaktionen gegenber dieser Autoritt: Sokrates sei aber einverstanden mit den atheni schen Regelungen zur Ehe und zur Erziehung von Kindern die sein eigenes Geboren werden und Aufwachsen bestimmt htten und habe durch sein siebzigjhriges Leben in Athen und durch sein Handeln in dieser Zeit sein Einverstndnis mit den Athener Gesetzen bewiesen 51 c e.

Wenn sie, die Gesetze, ihm nicht gefallen htten, htte er sich ihnen schon lngst durch Emigration entziehen knnen 53 a. Dieses Einverstnd nis jetzt aufzukndigen, wo ihm von Menschen, aber nicht von den Gesetzen, Unrecht angetan werde, sei ungerecht 54 b c. In dem Kontext des Arguments, Sokrates htte ja emigrieren knnen, wenn ihm die Gesetze nicht gepasst htten, stehen einige Zeilen, die Vlastos fr sein Bild von Sokrates als einem lupenreinen Demokraten gebraucht: Die Gesetze nennen als Emigrationsorte, die Sokrates htte whlen knnen, vier Orte, die alle mehr oder weniger oligarchische polische Strukturen hatten: Sparta, Kreta, Theben und Megara 52 e 53 c.

Du [Sokrates] aber hast weder Sparta vorgezogen noch Kreta, von denen du bei jeder Gelegenheit sagst, dass sie gut geord net sind. Vlastos denkt nun, dass wir10 11Kriton 52 e; vgl. Sokrates und die deliberative Demokratie39 hier so verstehen mssen, dass die vier Oligarchien einen viel hheren Grad an Gesetzestreue aufweisen als Athen. Wenn Sokrates trotz der an jenen Orten stringen teren Gesetzesobservanz bewusst in Athen geblieben sei, msse man das so verstehen, dass Sokrates die Stadt Athen vorzieht wegen des Inhalts ihrer Gesetze, und das knne allein heien: Ich mchte gegen Vlastos Interpretation dieser Passage einwenden, dass sie dem Kontext nicht gerecht wird.

Die personifizierten Gesetze sagen zuerst, dass Sokrates in der Vergangenheit nicht nach Sparta oder Kreta emigriert sei, von denen er doch immer wieder als gut geordnet gesprochen habe. Sodann diskutieren die Gesetze, wohin Sokrates denn berhaupt, gesetzt dass er es wolle, fliehen knne. In Theben und Mega ra, die gut geordnet seien, werde er als Unterwanderer von Gesetzen nicht mit offenen Armen empfangen werden.

Was brig blieben, seien blo schlechte Optionen. Das unge ordnete und zgellose Thessalien etwa? Wir sehen, dass Platons Sokrates hier einen Kontrast aufbaut zwischen auf der einen Seite wohlgeordneten wenn auch nicht notwendigerweise demokratischen Gesellschaf ten, die stringente Gesetze haben und in denen es sich im Prinzip zu leben lohnt, und auf der anderen Seite ungeordneten, chaotischen und brutalen Gesellschaften, in denen es sich nicht zu leben lohnt.

Das demokratische Athen, dessen Gesetze Sokrates mit den Beispielen des Familienrechts und der Erziehung gutheit, bildet also zusammen mit den vier genannten Oligarchien eine Gruppe mehr oder weniger wohlgeordneter Gesellschaf ten; es wird, was das betrifft, kein Unterschied zwischen ihnen konstruiert. Wenn wir auf diese Weise den Kontext bercksichtigen, wird deutlich, dass Sokrates sich gar nicht ber die mglichen Vorzge einer demokratischen politischen Ordnung im Vergleich zu einer oligarchischen Ordnung uert, nicht einmal indirekt.

Das von Sokrates genannte Kriterium einer guten gesetzlichen Ordnung bersteigt deutlich die Grenzen des Einteilungsschemas demokratisch oligarchisch, und wir knnen Sokra tes nicht bei der Behauptung eines prinzipiellen Vorzugs demokratischer gegenber olig archischen politischen Ordnungen ertappen.

Die hier entfaltete Interpretation zeigt einen Sokrates, der den blichen Erwartun gen einer deliberativen politischen Aktivitt keineswegs entspricht.

Ich nenne beispiel haft zwei Faktoren, die eine Einvernahme des Sokrates fr eine deliberative Demokratie unmglich machen: Sokrates tritt keineswegs fr eine prinzipielle berlegenheit der demokratischen Ordnung Athens ein. Wir knnen Sokrates nicht auf eine Stellungnahme in den politischen Parametern einer elitren, oligarchischen Ordnung einerseits oder12 Vgl. Wenig berzeugend interpretiert Vlastos den folgenden Passus: Du aber, [Sokrates,] wenn Du selbst in eine der nchstgelegenen Stdte gehst, entweder nach Theben oder Megara denn beide sind ja gut geordnet so kommst Du als ein Feind ihrer Verfassung Kriton 53 b als Sttze fr diese Interpretation.

Ein deliberatives Demokratiekonzept, in dem nicht der Glaube an die prinzi pielle berlegenheit des demokratischen Modells verankert ist, erscheint aber unmglich. Es ist eigentlich Thukydides Grabrede des Perikles, die ein Ideal artikuliert, das unseren Erwartungen von einer deliberativen politischen Aktivitt sehr nahe kommt. Im Sinne dieses Ideals war Sokrates politisch inaktiv.

Er hat nie die Rednertribne bestiegen, um politischen Rat zu erteilen. Was Sokrates als seinen Lebensweg gewhlt hat, eine umfassende Prfung seiner Zeitgenossen, ist gerade keine deliberative Ttigkeit, die sich auf den Gebrauch politischer Handlungs spielrume richtet. Dass diese Ttigkeit das Resultat einer als berragend wichtig gefhlten religisen Verpflichtung prsentiert wird, macht eine Einvernahme von Sokrates, wenn schon nicht direkt fr eine deliberative Demokratie, so doch fr einen dem skularen Gewissen verpflichteten kritischen Beitrag zur demokra tischen Kultur, tief problematisch.

Der Sokrates aus unseren drei Dialogen ist deutlich weniger skular und deutlich weniger skeptisch als Dana Villa und in etwas geringerem Mae auch Gerald Mara wahrhaben wollen.

Wenn wir die Sache so betrachten, scheint es, als sei Sokrates ein apolitischer Denker. Diese Einschtzung wre allerdings verkehrt. Wenn wir Platons Gorgias folgen, sehen wir einen Sokrates, der ganz bewusst ein eigenes Politikverstndnis formuliert. Diesem sokratischen Politikverstndnis werde ich im folgenden Abschnitt nachgehen.

Das sokratische Politikverstndnis Sokrates formuliert im Gorgias ein Politikverstndnis, in dem es nicht um die ideale Form eines politischen Gemeinwesens geht. Er sieht die Rolle wahrer politischer Aktivi tt nicht darin, sich in direkter Weise einzumischen, sondern vielmehr darin, individu elle Menschen so gut wie mglich zu machen. Dies ist ein Auftrag, dessen Erfllung fr Sokrates ganz offensichtlich nicht in den Handlungsbereich einer traditionell verstan denen Politik gehrt, die durch die Bereitstellung auermoralischer Gter z.

Wohl fahrtssteigerungen oder Verbesserungen der Infrastruktur Nutzen fr die Brger zu realisieren versucht. Diese traditionell verstandene Politik ist fr Sokrates keine Politik im eigentlichen Sinne. Politik im eigentlichen, vollen Sinne dieses Wortes zielt zwar ebenfalls ab auf einen Nutzen fr die Brger, aber sie sucht diesen Nutzen in einer Verbesserung von Menschen. Diese Verbesserung bemisst sich an Tugendkriterien, also an Kriterien, die laut Sokrates nichts mit auermoralischen Gtern zu tun haben.

Von diesem Gegenentwurf einer philosophischen Politik im eigentlichen Sinne aus gesehen, wird auch deutlich, warum wir Sokrates nicht auf eine Stellungnahme in den politischen Parametern einer elitren, oligarchischen Ordnung einerseits oder einer tendenziell egalitren, demokratischen Ordnung andererseits festlegen knnen.

WennSokrates und die deliberative Demokratie41das ethische Niveau der Brger den Ansatzpunkt der Politik bildet, dann werden Orga nisationsmerkmale politischer Macht zu einer Nebenschlichkeit. Dieses ethisierte Politikverstndnis, das an konkreten Organisationsstrukturen politischer Macht vorbeigeht, finden wir in der antiken Philosophie brigens nicht nur bei Sokrates.

Es ist auch unter den Sokrates folgenden Bewegungen der hellenistischen Periode prominent, etwa den Skeptikern und den Epikureern, aber besonders ausgeprgt ist es bei den Stoikern. Auf der Basis dieses Motivs wird auch der Einfluss konkreter Organisationsstrukturen politischer Macht auf die Tugend des Handelnden abgestritten. Dieses Bild wird durch die Tatsache besttigt, dass in den erhalten gebliebenen Fragmen ten der Stoiker zwar eine Vielzahl politischer Metaphern und uerungen zu finden sind, dass diese Metaphern und uerungen aber keine spezifischen politischen Strukturen anempfehlen.

Das Bild von der kosmischen Stadt als einer Gemeinschaft von Gttern und Menschen15 ist hierfr ebenso reprsentativ wie die Meinung Zenons, man drfe nur die wirklich Tugendhaften als Mitbrger bezeichnen Diog. Es kann mir im Kontext dieses Artikels nicht darum gehen, die hellenistischen und insbesondere stoischen Parallelen zu Sokrates Politikverstndnis detailliert nachzu zeichnen.

Mir geht es vor allem darum, zu zeigen, dass Sokrates Politikverstndnis in der antiken Philosophie nicht isoliert vorkommt. Wir knnten vielmehr von einer sokra tischen Strmung oder einer sokratischen Tendenz im antiken politischen Denken sprechen. Diese Strmung, die in einer ethischen Formung von Brgern das eigentliche Ziel einer wahren Politik sieht und diesem Ziel gegenber einem traditionell verstande nen, perikleischen Mitmachen in etablierten politischen Formen einen Primat zuerkennt, ist deutlich verschieden von dem Ideal einer deliberativen Demokratie, die Menschen vor allem dazu ansetzen will, in direkter Weise an politischen Beratschlagungen teilzuneh men.

Sokrates politisches Denken ist viel sperriger und passt viel weniger zu heutigen Erwartungen, als gutgemeinte Vereinnahmungsversuche deutlich werden lassen. Arius Didymus apud Euseb.

Exzellente Diskussion in Schofield The Limits of Deliberative Democracy, in: Tien beschouwingen over een morele categorie, Den Haag. Beitrge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt. Deugden in de programmas van Nederland se politieke partijen en in de publieke perceptie, in: Deugden en goed burgerschap.

Oligarchic Tendencies in Deliberative Democracy, in: Political Studies 56, pp. Ironist and Moral Philosopher, Cambridge.

On Socrates Conception ofPolitics in Platos Apology, Crito and Gorgias The position of Socrates in Platos earlier dialogues is often seen as an anticipation of contemporary political theories. This article takes issue with the claim that Socrates anticipated modern theories of deliberative democracy. It examines three early Platonic dialogues the Apology, the Crito and the Gorgias and argues that the Socrates present ed in the dialogues is actually far more dogmatic in ethical as well asreligious matters than such annexations of Socrates can acknowledge.

Furthermore, Socrates does not develop a theory that would support Athenian democracy. Although politically inactive within the Athenian political framework, Socrates is nonetheless depicted in the Gorgias asformulating an ethical view of politics. According to thisconcep tion,true politics is always virtueoriented. It is a matter of improving the characters of ones fellow citizens, and is detached from the quesA BST R ACTSokrates und die deliberative Demokratie tionof how political power should be distributed.

Socrates political43outlook is echoed in several Hellenistic philosophical schools, the Stoics in particular. Sokrates wezwany na przesuchanie w sprawie bezbonoci i psucia modziey 1. Pewnego styczniowego poranka roku przed Chr. Sokrates opuszcza swj dom wdawnym demie Alopeke dzi demos Daphne i udaje si w drog na teren Lykejonu, znajdujcego si obok dzisiejszej ulicy Rigillis, gdzie dociera po godzinie zlany potem.

Warto doda, e drog t przebywa boso zarwno latem, jak i zim. Przybywszy tam, bra kpiel, naciera ciao oliw1, by nastpnie wykonywa wiczenia fizyczne jeszcze w wieku siedemdziesiciu lat2. Po dokonaniu ponownych ablucji prowadzi dysputy ze swymi towarzyszami, nie rezygnujc przy tym z flirtw z przystojnymi chopcami, ktrzy rwnie tam trenowali. Miejscem wielu platoskich dialogw jest Lykejon i znaj dujce si obok brzegu rzeki Ilissos, z piknymi platanami, miejsce, w ktrym potrzeby dnia dzisiejszego zamieniy koryto rzeki Iliossos w asfaltow kodr nieustannego haasu Alei Krla Konstantyna.

U Klaudiusza Eliana w Opowiastkach rozmaitych 13, 27 czytamy: Powszechnie wiadomo, e ciao Sokra tesa byo wzorem porzdku i umiarkowania, o czym wiadczy nastpujcy fakt. Podczas gdy w Atenach panowaa epidemia i jedni konali, a inni ju byli bliscy mierci, Sokrates jako jedyny nie zachorowa. Jak dusz jak sdzicie musia mie czowiek, ktry y w takim ciele?

Ta rozmowa nie zostaa tego dnia zakoczona. Jednake swoim rozmwcom oznajmi jeszcze, iteraz musz ju i, gdy jestem oczekiwany w sali Krlewskiej, w sprawie oskarenia, ktre zoy na mnie Meletos. Lecz jutro wczesnym rankiem usidziemy i wznowimy nasz rozmo w Pl. Oskarenie wniesione przeciwko Sokratesowi dotyczce lekcewaenia bogw i psucia modziey wniesione zostao przez zoenie pisma ze strony jakie go bliej nieznanego poety imieniem Meletos, ktry jako dodatkowych oskarycieli wymieni take Anytosa i Lykona.

Wedug wczesnego prawa procesowego Aten tego rodzaju oskarenia wnoszone byy przez osoby prywatne. Jednake samemu oskarycielowi groziy cisze sankcje, w razie gdyby co najmniej jedna pita sdziw nie gosowaa zgodnie z oskareniem. Sankcje te nie dotyczyy jednak dodatkowych oskar ycieli. Co prawda w przypadku procesu Sokratesa oskarycielem by Meletos, to jednak wrzeczywistoci kry si za owym aktem oskarenia Anytos, ktry szczerze nienawidzi Sokratesa.

Anytos by zamonym Ateczykiem, ktry przed epok Trzydziestu Tyranw zajmowa si garbarstwem. W roku przed Chr. W czasie panowania Trzydziestu Tyranw uciek na emigracj i tam bra udzia wdziaalnoci, ktra miaa na celu obalenie rzdu Tyranw. W latach i przedChr. W dialogu platoskim Menon jest on rozmwc Sokratesa, okazujcym mu antypati. Powodem owej antypatii mia by wpyw Sokratesa na Antemiona, syna Anytosa. Cho piec wola powici si filozofii, mimo i ojciec nalega, by zosta raczej rzemielnikiem i przyucza si do zawodu garbarza.

Si usun on swego syna z krgu suchaczy Sokrate sa. Wszelako wwczas Antemion pogry si w melancholii, pijc wieczorami w tawer nach. Sytuacja ta skonia wwczas Anytosa do podjcia w roku przed Chr. W tym celu nakoni Meletosa do wystpienia w roli oskaryciela, podczas gdy sam przyj rol oskaryciela posikowego.

Za kulisami wic Anytos pociga za sznurki sprawy karnej przeciwko Sokratesowi, co prawda nie tyle zzamiarem stracenia Sokratesa, co raczej wygnania go. Aby osign swj cel, prze konuje najpierw Meletosa i Lykona, e Sokrates by zwolennikiem Trzydziestu Tyranw, w zwizku z czym stanowi zagroenie dla modej demokracji.

Z racji jednak tego, i zaraz3 Krl Archont by najwyszym kapanem pastwa Lipsius Ponadto przewodniczy on w procesach z tego zakresu. Prawny, polityczny, filozoficzny i religijny wymiar procesu i stracenia Sokratesa47po obaleniu Trzydziestu Tyranw dla wszystkich sawnych i czynnych antydemokra tycznych deliktw ogoszona zostaa amnestia, nie mg Sokrates by prawnie cigany za swoj antydemokratyczn postaw.

Przyczynio si to do tego, i Meletos oskary Sokratesa za lekcewaenie bogw i deprawowanie modziey. Kiedy owego styczniowego dnia przed poudniem Sokrates opuszcza swych towarzyszy w Lykejonie, by odszuka Archonta Krla, obra jak zwykle drog prowa dzc na pnoc od Akropolis w stron ulicy Panatenajskiej.

Zwykle szed ulic rze biarzy marmuru, stawa krtko przy owych pracowniach i sklepach i wpltywa ludzi w dyskusje, odgrywajc przy tym rol osoby niewiedzcej. Swj obchd koczy w skle pie Simona, gdzie prawdopodobnie jada obiady. Simon, prosty szewc, wydawa si Sokratesowi jedynym wartociowym partnerem rozmw. Najprawdopodobniej Sokra tes widzia w Simonie jedynego naprawd trudnego rozmwc. Podobno Sokrates robi wrcz notatki z prowadzonych z nim rozmw Gigon Popoudnia spdza natomiast Sokrates zazwyczaj na Agorze, w cieniu kolumnady Zeusa Eleuteriosa , gdzie zbierali si wok niego ci, ktrym schlebiao bycie jego uczniami.

Sam Sokrates nie zaakceptowa nigdy siebie w roli nauczyciela, za swej relacji z rozmwcami nigdy nie nazwaby nauczaniem. Owego styczniowego dnia, kiedy przyby do sali krlewskiej, spotka kapana Eutyfrona, z ktrym prowadzi interesujc rozmow na temat tego, jak naleycie odda wa cze bogom. Traktujcy o owym zagadnieniu platoski dialog Eutyfron, uwypukla religijne aspekty procesu Sokratesa. Ueberweg-Praechter I Anhang S.

Neigt Sokrates sonach auch dem reinen Monotheismus zu, der sich in seiner Zeit vorzubereiten begann, so hängt er ihm doch keineswegs im strengen Sinne an. Ähnlich war seine Stellung zu der bestehenden Staatsordnung. Er forderte und übte den unbedingten Gehorsam gegen die Staatsgesetze und appelliert doch von ihnen an die Richter und Gesetze im Hades, d. Über die persönliche Unsterblichkeit scheint er sich zweifelnd ausgedrückt zu haben Plato Apol. Was uns nach dem Tode erwartet, wissen wir nicht; wohl dagegen, dass Rechttun gut.

Unrechttun übel für uns ist. Jedenfalls sind ihm die Götter in erster Linie Vertreter des sittlichen Gedankens.

Hatte er vorher seinen Anklägern zugerufen: In solcher Gesinnung ist Sokrates in den Tod gegangen. Wir wollen die Tragödie seiner Verurteilung und Hinrichtung, die jedem von Jugend auf bekannt ist, hier nicht erzählen.

Sein Tod war, wie er selbst sagte, für ihn kein Übel, sondern eine Zuträglichkeit. Für seine Sache aber wurde er geradezu zum Triumph, indem er für seine Schüler der begeisternde Sporn zur Verbreitung der Lehre des Meisters ward.

Zu ihnen haben wir uns jetzt zu wenden. Karl Vorländer Geschichte der Philosophie I. Die Philosophie des Altertums II. Sokrates und die Sophisten VI. Die sokratische Methode der Begriffsbestimmung. Ursprung der griechischen Philosophie.

Sokrates und die Sophisten.